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Guter Hoffnung


Zwischenzeitlich hatte ich mich um Charlotte von Kalbs Anliegen bemüht und glaubte, in Behaghel von Adlerskron den geeigneten Hofmeister für Fritz gefunden zu haben. Behaghel hatte mir seine uneingeschränkte Zusage gegeben, wenn die Bedingungen durch mich vereinbart würden. Ich schickte meinen Vorschlag nach Waltershausen, doch Charlotte von Kalb, die grundsätzlich mit meiner Wahl einverstanden war, überließ die endgültige Entscheidung ihrem Mann, der seit 1792, nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst, ebenfalls in Waltershausen lebte.
 
Da dieser jedoch keinen Adligen als Lehrer für seinen Sohn einstellen wollte, lehnte er meinen Vorschlag ab.  
 
Vor etwa sieben Wochen hatte Professor Stark den Verdacht geäußert, Lottes anhaltende Beschwerden und Krämpfe könnten vielleicht eine Schwangerschaft vermuten lassen, sicher war er sich jedoch keineswegs. Lotte wirkte sehr mitgenommen, denn die Schmerzen wurden stärker und sie immer schwächer. Ich war in großer Sorge um sie, auch, weil wir hier niemanden an unserer Seite hatten, der sich um uns beide kümmern konnte.
 
Karoline war nach Bad Cannstatt in Schwaben abgereist, um in einer Kur ihr durch die Trennung von Beulwitz angegriffenes Nervenkostüm wieder zu festigen.
 
Jetzt, nach einer erneuten Untersuchung Starks wurde bestätigt, dass Lotte in guter Hoffnung war, und ich war erfreut und beruhigt, dass ihr Missbefinden eine normale Ursache hatte.
 
Der siebte Monat war festgestellt worden, und wir hatten unsere Pläne nun den neuen Umständen anzupassen, da mit der Niederkunft bereits Ende September zu rechnen war.
 
Wenn Mutter und Kind das Wochenbett gut überstehen würden, fehlte mir nichts mehr zu meinem häuslichen Glück. Mir war, als würde sich das auslöschende Licht meines Lebens in einem anderen entzünden, und ich fühlte mich mit einem Male mit dem Schicksal ausgesöhnt.
 
Um die Reise in meine Heimat antreten zu können, auf die wir uns bis spätestens Anfang August begeben mussten, waren noch etliche Vorbereitungen zu treffen. Diesen Plan aufgeben, wollte ich auf gar keinen Fall. Schließlich hatte ich ein Versprechen einzulösen und konnte die Hoffnungen meines 70-jährigen Vaters nicht enttäuschen, der mich sehnlichst erwartete.
 
Außerdem wollte ich von Hoven als Arzt aufsuchen, von dem ich mir eine bessere Behandlung, als die von Stark versprach, der bei chronischen Erkrankungen eher nachlässig arbeitete, und in den ich kein Vertrauen mehr setzen konnte.
 

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