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Schwere Erkrankung

Statthalterei_Renaissancehäuser

Alte Statthalterei im Jahr 1699. Quelle: Wikipedia
 


Wir ließen die letzten trüben Tage des alten Jahres hinter uns und waren am 31. Dezember 1790 vergnügt mit der Kutsche in Richtung Erfurt gefahren, wo man uns am späten Nachmittag bereits erwartete.
 
Die Dunkelheit hatte sich schon über die Bischofsstadt gelegt, und die Lichter der unzähligen Kerzen, die den großen Festsaal der Statthalterei erhellten, gaben der großen Festlichkeit einen prunkvollen Glanz.
 
Der Koadjutor war ein geselliger Mensch, der mehrmals im Monat zu Gesellschaften lud, bei denen er keinesfalls nur Leuten von Rang und Namen Zutritt gewährte. Jeder Bürger war willkommen. Es war eine gemischte Gesellschaft, die sich aus allen Schichten zusammensetzte.
 
An diesem Abend befanden wir uns in einer Menschenmenge aus bekannten und unbekannten Gesichtern. Doch nicht alle anwesenden Personen machten einen Vertrauen erweckenden Eindruck. Im Gegenteil, es waren gar widerliche darunter, vor denen Charlotte zurückschreckte und sich ängstlich näher an mich schmiegte.
 
Der „Goldschatz“ verschwand aufgrund seiner mittleren Größe in der Menge, wo er dieses Bad ganz offensichtlich genoss. Schon von weitem erkannte man ihn an seinem goldenen Bischofskreuz, das auf seiner Brust glänzte.
 
Er begrüßte uns gemeinsam mit Professor Dominikus aufs Herzlichste, und es schienen alle Blicke in diesem Saal auf mich gerichtet zu sein. Der Kammerpräsident a. D., von Dacheröden, begrüßte uns in Begleitung seiner Tochter Karoline, die uns schon gemeinsam mit meiner Schwägerin und ihrem Bruder Ernst Ludwig Wilhelm von Dacheröden, Kammerherr und Regierungsrat in Erfurt, entgegen geeilt war. 
 
Die nächsten Tage verbrachten wir gemeinsam in angenehmer Stimmung und  wurden unzähligen Leuten vorgestellt. Am 2. Januar 1791 begaben wir uns in die Loge des Koadjutors, um eine Komödie anzusehen. Tags darauf wurde nachmittags zur Sitzung der Akademie geladen, die im Sitzungssaal der Statthalterei abgehalten wurde. Ich war sehr belustigt, als ich von der Akademie kurmainzerischer, „nützlicher“ Wissenschaften die Ehrenmitgliedschaft erhielt.  
 erfurt_dom

Dom in Erfurt
 



Abends, im Redoutensaal des Ratskellers, wurde zu Ehren des Erzbischofs und Kurfürsten zu Mainz, aufgrund dessen Geburtstages, ein Konzert der Kammersängerin Madame Häsler gegeben. Anschließend soupierten wir mit mehr als hundert Personen gemeinsam im Speisesaal, worunter sich wieder recht fragwürdige Gestalten befanden. Während des Essens bemerkte ich plötzlich ein heftiges Schwindelgefühl, Übelkeit und Atemnot, die so schlimme Ausmaße annahm, dass ich mich mit einer Sänfte in den Gasthof „Zum Schlehendorn“ tragen ließ, wo wir Logis genommen hatten.
 
Ich hatte hohes Fieber und ein von Dalberg herbeigerufener Professor der hiesigen Medizinischen Fakultät wurde mit meiner Behandlung beauftragt. In der Kürze der Zeit konnte dieser lediglich durch Medikamente das Fieber senken, sorgte sich jedoch sehr wegen der beim Husten vereinzelt auftretenden Seitenstiche.
 
Nachdem ich mich nach ein paar Tagen Bettruhe besser fühlte, reisten wir am 09. Januar nach Weimar, wo ich mich bei Hofe präsentierte und gemeinsam mit Wieland und Goethe an der herzoglichen Mittagstafel teilnahm.
 
Den Mannheimer Schauspieler Beck traf ich wieder, der hier in Weimar zusammen mit seiner Frau ein acht Wochen dauerndes Gastspiel gab. Bei Hofe war man von den beiden begeistert. Beck spielte sehr gut und der Gesang seiner Frau konnte sich hören lassen. Der Herzog Karl August bemühte sich vergeblich darum, Beck für die Leitung des Hoftheaters zu gewinnen, weil dieser sein vorteilhaftes und solides Engagement in Mannheim nicht aufgeben wollte. Daraufhin übernahm Goethe die Leitung des Theaters in Weimar.
 

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